30. November 2007 von Alex in Allgemein
Gelesen: 1196 · heute: 2 · zuletzt: Samstag, 04. Februar 2012 - 06:45

Do - RE - MiB(yte): Wie aus einer Mücke ein Elefant wurde

„Liegt der Irrtum nur erst wie ein Grundstein unten im Boden, immer baut man darauf, nimmermehr kommt er an den Tag.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Haben Sie sich schon mal gefragt warum Sie zum Beispiel beim Fleischer immer 1000 Gramm Gehacktes bekommen, obwohl sie ein Kilogramm bestellt haben? Vermutlich nicht.
Kauft man allerdings beim Computer-Händler eine Festplatte, stellt man nach dem Einbau fest, dass die Angaben zur Kapazität nicht dem entsprechen was Ihnen der Hersteller versprochen hat.

Zwei Dinge vorweg:
1. Es ist (ausnahmsweise) kein Windows-Bug! Windows rechnet richtig. Der Grund ist die Art der Umrechnung und sicher auch das Marketing-Konzept der Festplatten-Hersteller.
2. Bevor ich auf die korrekte Terminologie zu sprechen komme, werde ich hier die gängige, unkomplizierte und falsche benutzen.

Fakt ist: 1 Byte sind 8 Bit sowie 1 Megabyte gleich 1024 Kilobyte sind. Soweit so gut - nur hat man jetzt ein Problem mit der Interpretation der Einheiten. Die Präfixe vor dem “Byte” sprechen nochmals eine andere Sprache. Ein Kilo(byte) entspricht eben nicht 1024 sondern 1000 Bytes! Mit Kilo und Byte wurde ein Wort geschaffen, welches sich aus einem bereits existierenden Präfix des metrischen Systems und einem Wort aus der datenverarbeitenden Industrie zusammensetzt. Warum ist das so? Eigentlich weiß man doch um deren völlig unterschiedliche Metrik.

Die Antwort ist: Um einfacher rechnen zu können. So wurden aus 1 Megabyte kurzerhand 1000 Kilobyte. Damals sah man die rechnerisch 1024 Kilobyte so nah an der 1000, dass man sie der Einfachheit halber Kilobyte nannte. Die Hersteller haben sich den Umstand, dass viele Kunden, sei es aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit, statt mit 1024 mit 1000 rechnen, zu Nutze gemacht. Die Konsequenz daraus ist: Wer heute eine 400 Gigabyte Festplatte kauft erhält in Wirklichkeit anstatt 429.496.729.600 lediglich 399.968.829.440 Byte oder auch 372,5 Gigabyte - also genau das, was auch unter Windows angezeigt wird. Vor 10 Jahren, als die Festplatten nur wenige Gigabyte groß waren, mag das nicht so ins Gewicht gefallen sein - doch seitdem die zweistellige Gigabyte-Marke erreicht ist, werden die Abweichungen zwischen dem was Beworben wird und dem was tatsächlich drinsteckt immer größer.

Auch bei der Schreibweise der entsprechenden Kürzel gibt es Unklarheiten. Schreibt man nun “KB”, “Kb” oder doch “kb”? Immer meint man 1024 byte. Doch was bedeuten diese Einheiten wirklich? Wenn man es genau nimmt, stünde “KB” für Kelvin Bytes, “Kb” für Kelvin Bits und kb würden kilo bits genannt. Bis auf Letztere ergibt keine dieser Einheiten wirklich einen Sinn. Der Grund für die ganze Verwirrung ist, dass die Speicher-Produzenten die Kapazitäten als 10er-Potenzen angeben - in der IT-Branche jedoch mit 2er-Potenzen gerechnet wird (Binär-System).

Die Präfixe wie “k”, “M” und “G” beziehen sich auf die 10er-Potenzen - also Kilo für Tausend, Mega für Million und Giga für Milliarde. Demnach sind 1 Kilobyte 10³ also 1000 Byte - auch wenn diese Angabe jeder IT-Logik wiederspricht. Nur mit den 2er-Potenzen bekommt man den korrekten Wert nämlich 2 hoch 10 = 1024. Um diesem Missstand ein Ende zu bereiten hat die International Electrotechnical Commission (IEC) bereits 1998 einen neuen Standard für Namen und Abkürzungen der Präfixe geschaffen. Den “Bytes” werden seitdem die Präfixe ”Kibi”, ”Mebi”, ”Gibi”, etc. vorangestellt. Also anstatt 1 Megabyte sagt man jetzt 1 Mebibyte oder kurz MiB und so weiter…. hier eine Tabelle mit den Abkürzungen. Leider passierte das viele Jahre nachdem sich die “Megabytes” in unserem Wortschatz verankert haben, so dass es schwer sein dürfte diese Angewohnheit wieder abzulegen.

Jedenfalls besitzt unsere 400er Festplatte nun effektiv 372,5 Gibibyte (GiB). Diese Zahl mag nicht gerade werbetauglich sein - schlimmer ist allerdings, dass uns 27,5 Gibibyte weniger Speicherplatz zur Verfügung stehen als uns die Hersteller anpreisen. Bei meiner alten, als 4 Gigabyte respektive 3,90625 GiB ausgewiesenen, großen SCSI-Festplatte hätte ich wegen mickriger 96 Mebibyte nichts gesagt. Tja, so ändern sich die Zeiten und so wurde aus einer Mücke letztlich ein Elefant.

3 Antworten zu Do - RE - MiB(yte): Wie aus einer Mücke ein Elefant wurde
randy am 7. Dezember 2007 um 09:56
Ha. Das ist echt lustig ;-)

Chillen! (Website) am 7. Dezember 2007 um 10:11
Deinen Kommentar, dass es dich bei deiner 4 GB Platte nicht stört kann ich nicht ganz nachvollziehen, es ist doch prozentual derselbe Schmu?

Sebi am 10. Dezember 2007 um 19:05
@chillen!
du kannst doch nicht mücken mit elefanten vergleichen…
das is ja schlimmer als’n apfel-birne-mix ohne zucker ;-)

@alex
ich empfinde diese fehlerhafte bezeichnung mittlerweile auch als nervig. das müsste gesetzlich geregelt werden.
mir tut es nicht nur um die verbraucher leid, auch die verkäufer im elektrofachhandel müssen glaube ich so einige wütenden kunden erdulden…

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